Die kurze Antwort: Sicherheitsstufe A und B stammen aus der alten Norm VDMA 24992 in der Fassung von Mai 1995. Diese Norm wurde Ende 2003 zurückgezogen. Es gab dort keine unabhängige Baumusterprüfung und keine laufende Fremdkontrolle: Der Hersteller stufte sein Gerät selbst ein. Deshalb empfehlen Zertifizierungsstellen seit 2004, Geräte mit Stufe A oder B nicht mehr für Versicherungszwecke anzuerkennen. Wenn auf deinem Tresor B steht, ist er nicht wertlos, aber er ist keine Grundlage für eine Versicherungssumme.

Was der Unterschied zu heute ist

VDMA 24992 (A, B)EN 1143-1 (Grad 0 bis 6)
Unabhängige Prüfungneinja, im akkreditierten Institut
Fremdkontrolle der Serieneinja, laufend
Zertifikatsnummerneinja
MessgrößeBauartbeschreibungWiderstandseinheiten, gemessen
Statuszurückgezogen seit Ende 2003gültig

Der entscheidende Punkt ist nicht, dass die alten Geräte schlecht gebaut wären. Manche sind solide. Der Punkt ist, dass niemand von außen geprüft hat, ob das Gerät hält, was das Schild sagt, und dass es keine Nummer gibt, unter der sich das nachvollziehen ließe.

Wie eine echte Prüfung heute abläuft: EN 1143-1.

Was das praktisch bedeutet

Für die Versicherung. Eine erhöhte Summe für Wertsachen im Tresor stützt sich auf eine anerkannte Klasse. Stufe B ist keine. Wenn dein Vertrag noch aus einer Zeit stammt, in der das anders geregelt war, steht die Regelung in deinen Bedingungen, nicht im allgemeinen Sprachgebrauch. Vor dem Schadensfall klären, nicht danach: Versicherung vorher klären.

Für den Gebrauchtkauf. Ein Gerät mit A oder B ist ein Gebrauchtmöbel mit Schloss. Zahl entsprechend, und rechne den Transport dazu, der bei schweren Altgeräten schnell dreistellig wird.

Für den Alltag. Als Aufbewahrung gegen Neugier, Kinder und Gelegenheit ist das Gerät weiterhin brauchbar. Für Dokumente kann es reichen, für Bargeld und Schmuck in nennenswerter Höhe nicht.

Woran du ein Altgerät erkennst

Drei Merkmale, meist auf der Türinnenseite:

  • Sicherheitsstufe A oder Sicherheitsstufe B, oft mit dem Zusatz VDMA 24992 und der Jahreszahl 1995
  • Keine Zertifikatsnummer, kein Zeichen einer Prüfstelle
  • Kein Hinweis auf EN 1143-1 oder EN 14450

Was stattdessen dort stehen müsste: VdS und ECB-S.

Was du mit deinem Altgerät machen kannst

Vier Wege, in der Reihenfolge, in der ich sie prüfen würde:

1. Weiter benutzen, aber richtig einordnen. Wenn er verankert ist und du weißt, dass er keine hohen Summen trägt, ist er ein brauchbarer Aufbewahrungsort für Dokumente und Dinge des täglichen Zugriffs.

2. Als Zweitgerät behalten. Der Alltagskram hinein, der neue Tresor bleibt zu. Das ist ein echter Gewinn: Ein Tresor, den man zehnmal am Tag öffnet, steht irgendwann offen.

3. Umwidmen. Alte Schränke sind gute Aufbewahrung für Werkzeug, Medikamente oder Reinigungsmittel: alles, was einfach nur nicht in falsche Hände soll.

4. Ersetzen. Wenn wirklich Werte hinein sollen. Welche Klasse du dann brauchst, steht in Sicherheitsstufen.

Aufrüsten geht nicht

Eine Frage, die oft kommt: Kann man ein Altgerät nachrüsten und dann zertifizieren lassen? Praktisch nein. Die Zertifizierung gilt für eine geprüfte Bauart aus laufender Fertigung, nicht für ein einzelnes umgebautes Gerät. Ein besseres Schloss macht aus Stufe B keinen Widerstandsgrad, und der Umbau kann sogar schaden: Tresorschlösser.

Was du dagegen sinnvoll nachrüsten kannst, ist die Verankerung. Die wirkt unabhängig von der Klasse und ist bei alten, leichten Geräten oft der größte Hebel: Tresor verankern.

Die Einordnung

Die alten Stufen sind ein gutes Beispiel dafür, warum Zertifikate mehr sind als Papierkram. Zwischen 1995 und 2003 durfte jeder Hersteller sein Gerät selbst einstufen. Wer damals gut baute, baute gut. Wer sparte, sparte, und auf dem Schild stand dasselbe.

Genau diese Lücke schließt eine Prüfung durch eine unabhängige Stelle mit laufender Kontrolle. Deshalb ist die Nummer auf der Plakette am Ende wichtiger als jede Materialbeschreibung im Prospekt.