Zwei Geräte, ähnliche Außenmaße, ähnliche Optik, Faktor zehn im Preis. Das ist der Punkt, an dem die meisten Käufer aussteigen und nach Bauchgefühl entscheiden.
Man kann es aber ausrechnen, und zwar aus Zahlen, die jeder Shop ohnehin veröffentlicht.
Die zwei Zahlen, auf die es ankommt
Zu jedem Modell gibt es ein Außenmaß und ein Innenmaß. Aus der Differenz ergibt sich die Wandstärke:
Seitenwand = (Außenbreite − Innenbreite) / 2
Decke = (Außenhöhe − Innenhöhe) / 2
Das ist reine Arithmetik und trotzdem aufschlussreich, weil kaum jemand sie durchführt. Ein Möbeltresor aus Blech kommt auf 2 bis 5 Millimeter. Ein Wertschutzschrank mit Verbundkorpus liegt bei 40 bis 70 Millimetern. Das ist der Unterschied zwischen zwei zusammengeschweißten Blechschalen und einem gefüllten Korpus.
Die zweite Rechnung: Was steckt in der Wand?
Wandstärke allein sagt noch nicht, womit die Wand gefüllt ist. Eine 70 Millimeter dicke Wand kann aus Stahl mit Barytbeton bestehen oder aus zwei dünnen Blechen mit Dämmwolle dazwischen. Optisch identisch, in der Wirkung völlig verschieden.
Hier hilft das Gewicht. Wir rechnen:
Hüllvolumen = Außenvolumen − Innenvolumen
Bauart-Dichte = Gewicht / Hüllvolumen (in g/cm³)
Diese Kennzahl weist kein Hersteller aus. Sie fällt aus zwei Zahlen ab, die alle veröffentlichen, und sie trennt die Bauarten sauber:
| Dichte | Bauart | Was das heißt |
|---|---|---|
| ab 4,5 g/cm³ | überwiegend massiver Stahl | selten, sehr hohe Klassen |
| ab 2,0 g/cm³ | Stahl-Beton-Verbund | echter Wertschutzschrank |
| ab 1,0 g/cm³ | Blech, verstärkt | Möbel- und Waffenschränke |
| unter 1,0 g/cm³ | Blech mit Dämmung | Feuerschutz, kaum Einbruchschutz |
Zum Vergleich: Reiner Stahl liegt bei 7,85 g/cm³, Beton bei etwa 2,4.
Vier echte Beispiele aus unserer Datenbank
Die Dichte ist jeweils unsere eigene Rechnung.
| Modell | Preis | Wandstärke | Dichte | Einordnung |
|---|---|---|---|---|
| Wertschutzschrank Grad 3 (55 × 55 × 46,5 cm) | 1.399 € | 55 mm | 2,98 g/cm³ | Stahl-Beton-Verbund |
| Wertschutzschrank EN 1 (30 × 42 × 39 cm) | 1.130 € | 38 mm | 1,72 g/cm³ | Blech, verstärkt |
| Möbeltresor S2 (42 × 30 × 38 cm) | 269 € | 40 mm | 1,22 g/cm³ | Blech, verstärkt |
| Feuerschutztresor (53 × 46 × 47 cm) | 760 € | 70 mm | 0,97 g/cm³ | Blech mit Dämmung |
Die letzte Zeile ist das Lehrbeispiel dieser Seite. Ein Gerät für 760 Euro, mit 70 Millimeter Wandstärke, das nach Datenblatt keine Sicherheitsstufe trägt. Die dicke Wand besteht überwiegend aus Brandschutz-Dämmmasse. Als Feuerschutz ist das Gerät gut. Als Einbruchschutz ist es fast wirkungslos, und genau das steht so nirgends.
Die zweite Zeile zeigt die Gegenrichtung: geprüfte EN-1-Klasse bei 1,72 g/cm³. Weniger Masse, aber ein durchgeprüfter Aufbau mit Riegelwerk und geprüftem Schloss. Dichte allein reicht also nicht, sie muss zusammen mit der Klasse gelesen werden.
Wofür Sie beim teureren Gerät tatsächlich bezahlen
- Die Prüfung selbst. Eine Zertifizierung nach EN 1143-1 ist ein zerstörender Labortest.
Der Hersteller zahlt Prüfmuster, Prüfstunden, Nachprüfungen und laufende Fertigungskontrolle. Diese Kosten stecken in jedem verkauften Stück.
- Den Korpus. Barytbeton, Faserbewehrung, Ankerlagen, verschweißte statt gekantete Ecken.
- Das Riegelwerk. Riegel auf mehreren Seiten, Sperrelemente, Bandseitensicherung,
Notverriegelung bei Angriff auf das Schloss.
- Das Schloss. Eigenständig geprüft und eingestuft, mit dokumentiertem
Manipulationswiderstand.
- Die Versicherbarkeit. Der eigentliche wirtschaftliche Gegenwert. Die Klasse entscheidet,
bis zu welcher Summe Ihre Versicherung den Inhalt deckt. Mehr dazu: Tresor und Versicherung vorher klären.
Wann das günstige Gerät die richtige Wahl ist
Immer dann, wenn der Inhalt nicht versicherungsrelevant ist und der Schutzzweck ein anderer ist als Einbruch:
- Papiere vor Feuer schützen
- Medikamente oder Werkzeug vor Kindern sichern
- Kleine Bargeldreserve vor Gelegenheitszugriff sichern
- Schlüssel geordnet und verschlossen aufbewahren
Für diese Zwecke ist ein 250-Euro-Gerät nicht die Sparversion, sondern das passende Produkt. Falsch wird es erst, wenn jemand fünfstellige Werte hineinlegt und annimmt, sie wären dadurch geschützt und versichert.
Kurzfassung
Der Preisunterschied ist kein Marketing. Er steckt im Korpus, im Riegelwerk, im Schloss und in der Prüfung, und er lässt sich anhand von Wandstärke und Bauart-Dichte teilweise nachrechnen.
Wir zeigen beide Werte für jedes Modell in unserer Datenbank an, herstellerübergreifend und im selben Maßformat: zum Vergleich.