Diese Frage kommt in jeder Diskussion, meist als Killerargument gegen den ganzen Gedanken. Sie ist berechtigt, und die Antwort ist unbequem:
Ja. Ein unverankerter Tresor wird mitgenommen und woanders in Ruhe geöffnet.
Das ist kein Randfall, sondern der Normalfall bei kleineren Geräten. Und es ist auch logisch: Der Täter umgeht damit die gesamte Sicherheitsrechnung. Statt vor Ort gegen Zeit, Lärm und Werkzeugmangel zu kämpfen, verlegt er das Problem in eine Umgebung, in der er alle drei Nachteile nicht mehr hat. Siehe Bringt ein Tresor überhaupt etwas?
Daraus folgt der wichtigste Satz dieser Seite:
Verankerung ist kein Zubehör. Sie ist Teil des Schutzes.
Ab wann ist ein Tresor zu schwer zum Mitnehmen?
Die übliche Grenze in Versicherungsbedingungen liegt bei 300 Kilogramm. Darunter gilt ein Behältnis als transportabel und muss verankert werden, darüber verzichten viele Versicherer auf die Anforderung.
Diese Zahl ist keine physikalische Konstante, sondern eine praktische: Ab dieser Größenordnung braucht man Hebezeug, mehrere Personen und ein Fahrzeug, und das passt nicht mehr in ein Einbruchszenario unter Zeitdruck.
Wichtig dabei ist, wie täuschend das Gewicht sein kann. Ein Waffenschrank mit 150 Zentimetern Höhe sieht massiv aus und liegt oft bei 150 bis 200 Kilogramm, also klar im tragbaren Bereich. Ein kompakter Wertschutzschrank mit 55 Zentimetern Kantenlänge kann dagegen 240 Kilogramm wiegen. Die Optik hilft hier nicht weiter, das Datenblatt schon.
Wie richtig verankert wird
Ordentliche Geräte bringen die Vorbereitung ab Werk mit: Bohrungen im Boden, in der Rückwand oder in beidem, plus passendes Verankerungsmaterial. Fehlen diese Bohrungen, ist das Gerät nicht für die Verankerung vorgesehen, und das ist bereits eine Aussage über seine Qualität.
Vier Punkte entscheiden über das Ergebnis:
1. Der Untergrund. Beton ist ideal. Estrich allein trägt nicht, dort muss durch bis in die tragende Schicht. Bei Holzbalkendecken und Trockenbauwänden brauchen Sie eine andere Lösung, im Zweifel eine Verankerung in eine tragende Wand statt in den Boden.
2. Das Dübelsystem. Es muss zum Untergrund passen und die vom Hersteller angegebene Auszugskraft aufnehmen. Baumarkt-Universaldübel sind hier die falsche Wahl. Chemische Anker oder Schwerlastanker sind Standard.
3. Boden oder Rückwand. Bodenverankerung wirkt gegen Anheben und Kippen, Rückwandverankerung gegen Wegziehen. Beides zusammen ist am besten. Wenn nur eines geht: Bei niedrigen, schweren Geräten der Boden, bei hohen, schmalen die Rückwand.
4. Die Zertifizierung darf nicht verletzt werden. Zusätzliche Bohrungen in den Korpus, die der Hersteller nicht vorgesehen hat, können die Zertifizierung ungültig machen. Nutzen Sie nur die vorbereiteten Punkte.
Achtung bei Fußbodenheizung
Das ist der Punkt, an dem es richtig teuer wird. Vor jeder Bodenbohrung muss geklärt sein, was im Boden liegt: Fußbodenheizung, Elektroleitungen, Wasserrohre.
Im Zweifel per Thermografie prüfen lassen oder auf Wandverankerung ausweichen. Ein angebohrtes Heizrohr kostet mehr als der ganze Tresor.
Selbst machen oder machen lassen?
Aufstellen können Sie selbst. Verankern mit Einschränkung.
Für die Eigenmontage sprechen die Kosten. Dagegen sprechen drei Dinge: die Auswahl des richtigen Dübelsystems, das Risiko beim Bohren, und die Frage des Nachweises. Wenn Ihre Versicherung eine fachgerechte Montage verlangt, brauchen Sie im Schadensfall einen Beleg dafür. Fragen Sie das vorher ab.
In einer Mietwohnung kommt eine weitere Ebene dazu: Sie brauchen die Zustimmung des Vermieters und tragen die Rückbaupflicht. Mehr dazu: Tresor in der Mietwohnung
Der Nebeneffekt, den kaum jemand nennt
Es gibt einen Zielkonflikt, den Sie kennen sollten: Verankerungsbohrungen sind Löcher in der Hülle. Bei einem Feuerschutztresor sind sie der wahrscheinlichste Weg, auf dem Löschwasser oder stehendes Wasser hineinkommt.
Das ist kein Argument gegen die Verankerung, sie bleibt wichtiger. Es ist ein Argument dafür, empfindliche Papiere und Datenträger zusätzlich in einen wasserdichten Beutel zu legen. Mehr dazu: Feuerschutz, Papier, Datenträger und Löschwasser
Kurzfassung
- Unter 300 Kilogramm gehört jeder Tresor verschraubt, sonst ist die Klasse fast wertlos.
- Nur die vom Hersteller vorbereiteten Bohrpunkte nutzen.
- Dübelsystem zum Untergrund wählen, keine Universaldübel.
- Vor dem Bohren klären, was im Boden liegt.
- Versicherungsbedingungen und, bei Miete, die Vermieterzustimmung vorher klären.