Hier steckt der teuerste Irrtum in der ganzen Kaufentscheidung, und er fällt fast immer erst im Schadensfall auf: Der Tresor hat gehalten, die Urkunden sind lesbar, und die Festplatte daneben ist trotzdem hin.

Feuerschutz und Einbruchschutz sind zwei getrennte Prüfungen

Das ist die Grundlage, und sie wird ständig vermischt.

EN 1047-1 für die höheren Anforderungen. Ergebnis: eine Schutzdauer und ein Schutzgut.

Ein Gerät kann in einem der beiden gut sein und im anderen praktisch wirkungslos. Ein Zertifikat sagt über die jeweils andere Disziplin nichts aus.

In unserer Datenbank steht dafür ein Beispiel: ein Feuerschutztresor für 760 Euro mit 70 Millimeter Wandstärke, dessen Datenblatt unter Sicherheitsstufe „keine Sicherheitsstufe" ausweist. Die dicke Wand ist Dämmmasse, kein Panzer. Gegen Feuer sehr gut, gegen Werkzeug kaum etwas.

Papier und Datenträger sind nicht dasselbe

Das ist der Punkt, der die meisten Datenverluste verursacht.

PapierDatenträger
Kritische Innentemperaturetwa 170 °Cetwa 50 °C
Kritische Luftfeuchteunkritischab etwa 85 % kritisch
Kennzeichnung im ZertifikatP (paper)D (data), DIS (Disketten/Medien)
Typische AngabeS 60 P, LFS 30 PS 60 DIS, S 120 DIS

Ein Papier-Feuerschutztresor hält die Innentemperatur unter 170 Grad. Das rettet Ihre Urkunden zuverlässig. Für eine Festplatte, ein Backup-Band oder einen SSD-Stick ist eine Innentemperatur von 160 Grad das sichere Ende.

Dazu kommt die Luftfeuchte: Feuerschutz funktioniert unter anderem dadurch, dass eingelagertes Wasser in der Dämmmasse verdampft und Wärme abführt. Im Inneren steigt dabei die Luftfeuchte stark an. Papier verträgt das. Elektronik und Magnetmedien nicht.

Praktische Konsequenz: Wenn auf dem Datenblatt hinter der Minutenzahl ein P steht und Sie Datenträger einlagern wollen, ist das Gerät für diesen Zweck ungeeignet. Sie brauchen ein DIS- oder D-Zertifikat, und diese Geräte sind deutlich teurer und schwerer.

Die günstigere Alternative, die viele übersehen: Datenträger gehören ohnehin nicht an einen einzigen Ort. Ein zweites Backup an einem anderen Ort löst das Problem billiger und besser als jedes Zertifikat.

Die Frage, die fast niemand stellt: Was ist mit Wasser?

In Diskussionen taucht dieser Gedanke gelegentlich auf, und er ist deutlich klüger als sein Ruf: Bei einem Wohnungsbrand kommt nicht nur Hitze. Es kommt die Feuerwehr, und die bringt sehr viel Wasser mit. Bei einem Zimmerbrand fließen schnell mehrere hundert Liter.

Der Stand der Dinge dazu:

mitgeprüft.** Die Prüfverfahren berücksichtigen den Löscheinsatz.

wasserdicht, weil Feuchtigkeit über Dichtungen und Durchführungen eindringt.

Tresor gegen Diebstahl sichern, sind Löcher in der Hülle. Bei stehendem Wasser, etwa nach einem Rohrbruch oder in einem überfluteten Keller, ist das der Weg hinein.

Wer Papiere gegen Wasser schützen will, kommt am einfachsten und billigsten mit einer zweiten Ebene weiter: verschweißte Folienbeutel oder eine wasserdichte Box im Tresor. Das kostet wenige Euro und deckt genau die Lücke, die das Zertifikat offen lässt.

Zusatzhinweis für die Standortwahl: Ein Kellerraum ist statisch der beste und im Hochwasserfall der schlechteste Ort. Siehe Wo sollte der Tresor stehen?

Wie Sie ein Feuerschutz-Datenblatt lesen

Eine Angabe wie S 60 P oder LFS 30 P enthält drei Informationen:

EN 15659, S für die Prüfung nach EN 1047-1.

Fehlt eines dieser drei Elemente, ist die Angabe unvollständig. „Feuerfest" allein ist keine Aussage, sondern ein Werbewort.

Kurzfassung

  1. Feuerschutz und Einbruchschutz sind getrennte Prüfungen. Beide brauchen eigene Angaben.
  2. Prüfen Sie den Buchstaben: P rettet Papier, für Datenträger brauchen Sie D oder DIS.
  3. Die Minutenzahl sollte zur realistischen Zeit passen, bis die Feuerwehr da ist und gelöscht hat.
  4. Wasser ist mitgeprüft, aber nicht ausgeschlossen. Ein Folienbeutel im Tresor kostet nichts

und schließt die Lücke.

  1. Datenträger gehören zusätzlich an einen zweiten Ort. Kein Tresor ersetzt ein Backup.