Von außen sehen ein 300-Euro-Gerät und ein 3.000-Euro-Gerät ähnlich aus. Beide sind graue Stahlkästen mit einer dicken Tür und einem Tastenfeld. Genau darauf ist der Markt eingerichtet.
Es gibt trotzdem drei Prüfungen, die Sie ohne jedes Fachwissen selbst durchführen können.
Prüfung 1: Steht eine Norm mit Klasse dabei?
Der Begriff „Tresor" ist nicht geschützt. Ein Blechkasten mit Zahlenschloss darf sich so nennen. „Safe", „Sicherheitsschrank" und „Panzerschrank" ebenfalls. Diese Wörter sagen nichts.
Vergleichbar wird Sicherheit erst über eine Norm mit Klassenangabe. Im deutschsprachigen Raum sind zwei relevant:
| Norm | Klassen | Wofür gedacht |
|---|---|---|
| EN 14450 | S1, S2 | Einfacher Schutz, Gelegenheitszugriff, kleinere Beträge |
| EN 1143-1 | Grad 0 bis Grad 6 (auch N/0) | Geprüfter Einbruchschutz, versicherungsrelevante Summen |
Steht auf einer Produktseite nur „hochsicher", „massiv verstärkt" oder „Sicherheitsstufe hoch", ist das eine Behauptung ohne Prüfung. Steht dort „Widerstandsgrad 1 nach EN 1143-1", ist es eine überprüfbare Aussage.
Die Frage lautet nicht, ob es sicher aussieht. Sie lautet: Nach welcher Norm, in welcher Klasse?
Prüfung 2: Gibt es eine Plakette, und lässt sie sich nachschlagen?
Zertifizierte Modelle tragen im Innenraum, meist auf der Türinnenseite, eine Prüfplakette. Darauf stehen die Prüfstelle, die Norm, die Klasse und eine Zertifikatsnummer.
Der berechtigte Einwand dazu lautet: So eine Plakette kann man auch einfach aufkleben.
Genau deshalb ist die Plakette allein kein Beweis. Sie ist ein Verweis. Die Zertifizierungsstellen, in Europa vor allem ECB-S und VdS, führen Verzeichnisse, in denen sich Hersteller und Modell nachschlagen lassen. Ein seriöser Anbieter nennt Ihnen die Zertifikatsnummer ohne Rückfrage.
Wichtig ist dabei: Zertifiziert wird ein Modell, keine Baureihe und keine Marke. Wenn ein Hersteller ein Zertifikat für ein anderes Modell derselben Serie anführt, gilt es nicht für das Gerät, das Sie kaufen.
Prüfung 3: Gibt es ein vollständiges Datenblatt?
Das ist der unterschätzte Test, und er sortiert am schnellsten aus. Ein vollständiges Datenblatt nennt mindestens:
- Außenmaß und Innenmaß, beide in Höhe mal Breite mal Tiefe
- Gewicht
- Sicherheitsstufe mit Norm
- Schlosstyp
- Anzahl der Riegel und die Bandseite
- Bei Feuerschutz: Schutzdauer und Schutzgut, also ob Papier oder Datenträger
Warum das so aussagekräftig ist: Aus Außenmaß und Innenmaß ergibt sich die Wandstärke, und aus Wandstärke plus Gewicht ergibt sich, was im Korpus steckt. Wer diese Zahlen nicht veröffentlicht, hat oft einen Grund dafür.
Wir rechnen genau das für jedes Modell in unserer Datenbank aus. Wie das funktioniert und was dabei herauskommt, steht in Warum kosten Tresore so unterschiedlich viel?
Was Sie zusätzlich ansehen sollten
Die Riegel. Wie viele, auf wie vielen Seiten, welcher Durchmesser? Riegel nur auf einer Seite sind das Minimum. Riegel auf drei Seiten sind ein deutliches Qualitätssignal.
Die Scharnierseite. Außenliegende Scharniere sind kein Nachteil, wenn die Bandseite zusätzlich mit Festriegeln gesichert ist. Das ist bei geprüften Geräten Standard und bei ungeprüften oft nicht der Fall.
Das Schloss. Es wird eigenständig geprüft und eingestuft. Ein guter Korpus mit einem ungeprüften Schloss ist so sicher wie das Schloss.
Die Verankerungsvorbereitung. Vorbereitete Bohrungen in Boden und Rückwand gehören ab Werk dazu. Fehlen sie, ist das Gerät nicht für die Verankerung vorgesehen, und dann verliert es genau den Schutz, der im Alltag am meisten zählt.
Die drei Sätze, bei denen Sie skeptisch werden sollten
- „Sicherheitsstufe B nach VDMA." VDMA 24992 ist eine zurückgezogene Bauartbeschreibung,
keine geprüfte Einbruchklasse. Sie beschreibt den Aufbau, nicht das Prüfergebnis. Als alleinige Angabe ist sie zu wenig.
- „Vergleichbar mit Widerstandsgrad 1." Vergleichbar heißt nicht geprüft. Entweder ein
Modell hat eine Klasse, oder es hat keine.
- „Feuerfest" ohne Angabe von Dauer und Schutzgut. Feuerschutz wird in Minuten und nach
Schutzgut zertifiziert. Ohne beides ist die Angabe wertlos. Mehr dazu: Feuerschutz, Papier, Datenträger und Löschwasser
Kurzfassung als Checkliste
- Norm und Klasse genannt? Sonst weiter.
- Prüfstelle und Zertifikatsnummer nennbar? Sonst nachfragen, und die Antwort ernst nehmen.
- Außen- und Innenmaß plus Gewicht veröffentlicht? Sonst fehlt die Grundlage für jeden Vergleich.
- Riegelzahl, Bandseite, Schlosstyp angegeben?
- Bei Feuerschutz: Dauer und Schutzgut angegeben?
Fünf Fragen, keine davon braucht Fachwissen. Wer alle fünf beantworten kann, hat ein Produkt vor sich, das sich vergleichen lässt. Bei allem anderen kaufen Sie eine Behauptung.