Die kurze Antwort: Für Wasserdichtheit von Tresoren gibt es keine Prüfnorm, die dem Feuerschutz entspricht. Jeder Anbieter prüft selbst. Deshalb ist wasserdicht ohne Zusatzangabe wertlos, und deshalb ist die wirksamste Maßnahme nicht der teurere Schrank, sondern der dichte Beutel um das, was hineinkommt.
Drei Ereignisse, drei Anforderungen
Wer wasserdicht sucht, meint meist eines von drei Dingen. Sie stellen ganz verschiedene Anforderungen.
| Ereignis | Was passiert | Was das Gerät können muss |
|---|---|---|
| Rohrbruch, Waschmaschine | Wasser läuft am Boden, wenige Zentimeter, oft stundenlang | Dichtung an Tür und Boden, erhöht stehen |
| Hochwasser | vollständige Überflutung, Stunden bis Tage, mit Druck | echte Dichtung ringsum, Auftrieb beachten |
| Löschwasser nach Brand | sehr viel Wasser auf ein heißes Gerät | Dichtung plus Hitzefestigkeit, praktisch nicht kombinierbar |
Der dritte Fall ist der wahrscheinlichste und der am schwersten zu lösende: Feuerfest und wasserdicht.
Warum es keine Norm gibt
Für Feuer gibt es EN 1047-1 und EN 15659, für Einbruch EN 1143-1 und EN 14450. Für Wasser gibt es nichts Vergleichbares.
Anbieter behelfen sich mit drei Wegen:
Eigene Prüfung. Das Gerät wird für eine bestimmte Zeit in eine bestimmte Tiefe getaucht. Nachvollziehbar, wenn Zeit und Tiefe genannt werden.
IP-Schutzarten aus der Elektrotechnik. IPX7 bedeutet 30 Minuten in einem Meter Tiefe, IPX8 heißt tiefer oder länger nach Herstellerangabe. Diese Schutzarten sind für Gehäuse gedacht, nicht für Tresore, aber sie sind wenigstens definiert.
Gar nichts. Auf der Verpackung steht wasserdicht, im Datenblatt steht nichts. Das ist der häufigste Fall.
Woran du eine ernsthafte Angabe erkennst
Vier Fragen, die eine Angabe beantworten muss:
- Wie tief? Ohne Tiefe ist es keine Angabe.
- Wie lange? 30 Minuten und 72 Stunden sind verschiedene Welten.
- In welcher Lage? Viele Geräte sind nur dicht, solange sie flach liegen und der Deckel oben ist. Ein stehender Schrank mit Tür ist eine ganz andere Aufgabe, weil die Dichtung dann senkrecht arbeitet.
- Wo sitzt die Dichtung? Ohne umlaufende Dichtung an der Tür ist die Angabe unglaubwürdig. Sieh nach, ob es eine gibt und ob sie tauschbar ist, denn Dichtungen altern.
Die Verankerung ist das Loch in der Rechnung
Der Widerspruch, den kaum jemand benennt: Ein Tresor muss verankert werden, sonst wird er mitgenommen. Verankern heißt bohren, durch den Boden oder die Rückwand. Damit hat die dichte Hülle Löcher, und zwar unten, wo das Wasser steht.
Drei Wege damit umzugehen:
- Verankerungspunkte abdichten. Viele Hersteller legen Dichtscheiben bei. Wenn nicht, hilft dauerelastische Dichtmasse.
- Durch die Rückwand verankern statt durch den Boden. Wasser steht unten, nicht oben.
- Auf einen Sockel stellen. Zehn Zentimeter Höhe entscheiden bei einem Rohrbruch alles. Das ist die billigste Maßnahme überhaupt.
Wie verankert wird: Tresor verankern.
Der Standort schlägt das Gerät
Drei Orte, an denen ein Tresor mit Wasser rechnen muss:
Der Keller. Rückstau aus der Kanalisation und drückendes Grundwasser. Wenn der Keller schon einmal nass war, gehört dort kein Tresor hin, jedenfalls nicht auf den Boden.
Unter oder neben der Küche und dem Bad. Die meisten Wasserschäden im Haushalt kommen aus Anschlüssen von Spülmaschine und Waschmaschine.
Der Boden. Ein Bodentresor sitzt an der tiefsten Stelle des Raumes, und dort läuft alles zusammen: Bodentresor.
Was tatsächlich hilft
Die ehrliche Rangfolge, von wirksam nach teuer:
- Inhalt verpacken. Verschweißter Beutel oder dichte Box für Papiere, Fotos und Datenträger. Kostet fast nichts und wirkt in allen drei Ereignissen.
- Erhöht aufstellen. Sockel, Podest, oberes Regalfach.
- Standort wechseln. Weg von Wasseranschlüssen, weg aus dem gefährdeten Keller.
- Trockenmittel einlegen und regelmäßig prüfen. Gegen die Feuchte, die ohnehin hineinkommt.
- Erst dann ein Gerät mit ernsthafter Wasserangabe kaufen.
Und nach dem Wasserschaden
Ein nasser Tresor wird nicht von selbst wieder trocken. Öffne ihn, nimm alles heraus, trockne Innenraum und Inhalt getrennt und lass die Tür offen stehen. Bei Feuerschutzgeräten ist das besonders wichtig, weil die Dämmung Feuchtigkeit speichert und sie sonst langsam an den Inhalt abgibt.
Ein Schloss, das im Wasser stand, kann klemmen oder korrodieren. Wenn es hakt, gehört es geprüft, bevor es ganz blockiert: Tresor öffnen lassen.
