# Feuerschutzklassen: 30, 60 und 120 Minuten erklärt

> LFS 30 P, S 60 P, S 120 DIS: was hinter den Feuerschutzklassen steckt, was im Ofen wirklich geprüft wird und warum die Minuten nicht deine Brandzeit sind.
> Quelle: https://tresorrari.de/artikel/feuerschutzklassen · Stand: 2026-08-01 · Tresorrari Redaktion

Die kurze Antwort: Die Zahl in der Feuerklasse ist eine Prüfdauer im Ofen, keine Zusage für deinen Brand. Der Buchstabe dahinter ist wichtiger als die Zahl davor: **P** steht für Papier, **DIS** für Datenträger, und die Grenzwerte liegen weit auseinander. Eine 120-Minuten-Klasse für Papier schützt deine Festplatte nicht.

## Die Klassen im Überblick

| Klasse | Norm | Prüfdauer | Schutzgut |
|---|---|---|---|
| LFS 30 P | EN 15659 | 30 Minuten | Papier |
| LFS 60 P | EN 15659 | 60 Minuten | Papier |
| S 60 P | EN 1047-1 | 60 Minuten | Papier |
| S 120 P | EN 1047-1 | 120 Minuten | Papier |
| S 60 DIS | EN 1047-1 | 60 Minuten | Datenträger |
| S 120 DIS | EN 1047-1 | 120 Minuten | Datenträger |

**LFS** steht für leichten Feuerschutz. **S** ist die strengere Prüfung mit Sturztest.

## Was im Ofen wirklich passiert

Geprüft wird nach einer genormten Temperaturkurve, die einen Vollbrand nachbildet. Sie steigt schnell und erreicht nach einer Stunde rund 950 Grad. Der Schrank steht frei im Ofen, innen liegen Messfühler und Prüfgut.

Entscheidend sind zwei Grenzwerte im Inneren:

- **Papier:** Die Innentemperatur darf 170 Grad nicht überschreiten. Papier verkohlt darüber.
- **Datenträger:** Deutlich strenger. Die Innentemperatur muss unter etwa 50 Grad bleiben, und zusätzlich darf die Luftfeuchtigkeit im Inneren einen Grenzwert nicht überschreiten. Beides ist nötig, weil magnetische und elektronische Speicher schon bei mäßiger Wärme und bei Kondensation ausfallen.

Gemessen wird also nicht, ob der Schrank heil bleibt. Gemessen wird, ob der Inhalt es bleibt.

## Der Sturztest, den viele nicht kennen

Die S-Klassen nach EN 1047-1 werden zusätzlich fallen gelassen: aus mehreren Metern Höhe auf einen harten Untergrund, danach zurück in die Hitze. Der Grund ist ein realer Ablauf: In einem brennenden Haus bricht eine Geschossdecke ein, der Schrank stürzt ins Untergeschoss und liegt dann weiter im Feuer.

Die leichten LFS-Klassen nach EN 15659 haben diese Prüfung nicht. Für eine Wohnung im Erdgeschoss ist das weniger relevant, für einen Schrank im Obergeschoss eines Holzhauses sehr.

## Warum die Minuten nicht deine Brandzeit sind

Drei Gründe, aus denen die Prüfdauer nicht direkt auf deinen Fall übertragbar ist:

**Die Ofenkurve ist ein Vollbrand.** Ein realer Zimmerbrand kann milder verlaufen, in einem Dachstuhl aber auch länger und heißer.

**Der Schrank steht im Labor frei.** Eingebaut, im Möbel oder in einer Ecke staut sich Wärme. Was das ausmacht, steht in [Möbeltresor feuerfest](/artikel/moebeltresor-feuerfest) und [Wandtresor feuerfest](/artikel/wandtresor-feuerfest).

**Nach dem Feuer geht es weiter.** Der Schrank bleibt heiß und kühlt langsam aus, die Innentemperatur steigt oft noch, wenn außen längst gelöscht ist. Und dann steht er im Löschwasser: [Feuerfest und wasserdicht](/artikel/tresor-feuerfest-wasserdicht).

## Welche Klasse für welchen Inhalt

| Was du schützen willst | Sinnvolle Klasse |
|---|---|
| Urkunden, Verträge, Policen | LFS 30 P reicht oft, S 60 P ist die sichere Wahl |
| Bargeld (Papier!) | wie Dokumente, aber zusätzlich Einbruchschutz nötig |
| Fotos, Negative | S 60 P, besser DIS wegen der Feuchte |
| Festplatten, SSD, USB-Sticks | S 60 DIS oder S 120 DIS, nichts darunter |
| Münzen, Schmuck aus Metall | Feuerschutz zweitrangig, Einbruchschutz zählt |

Dokumente im Detail: [Feuerfester Tresor für Dokumente](/artikel/feuerfester-tresor-dokumente).

## Feuerklasse ist kein Einbruchschutz

Der häufigste Irrtum. Die beiden Normenwelten haben nichts miteinander zu tun:

- **Feuer:** EN 1047-1, EN 15659. Geprüft wird der Inhalt gegen Hitze.
- **Einbruch:** EN 1143-1 (Widerstandsgrad 0 bis 6), EN 14450 (S1, S2). Geprüft wird der Schrank gegen Werkzeug.

Ein Gerät kann beides tragen, dann stehen beide Angaben auf dem Typenschild. Die Systematik der Einbruchklassen: [Sicherheitsstufen](/artikel/tresor-sicherheitsstufen).

## Woran du eine echte Klassenangabe erkennst

Vier Merkmale, die zusammengehören:

1. **Die Norm ist genannt**, nicht nur eine Minutenzahl.
2. **Eine Prüfstelle ist genannt**, mit Zertifikatsnummer.
3. **Der Buchstabe passt zum Zweck.** P für Papier, DIS für Daten.
4. **Das Gewicht passt zur Klasse.** Feuerschutz kommt aus der Füllung, und die wiegt. Ein leichtes Gerät mit hoher Klasse verdient einen zweiten Blick.

Formulierungen wie feuerbeständig, feuersicher oder brandgeschützt ohne Norm sind Werbung, keine Prüfung. Wie du Geräte anhand nachrechenbarer Zahlen vergleichst: [Feuerfeste Tresore vergleichen](/artikel/feuerfeste-tresore-vergleich).

## Häufige Fragen

### Was bedeutet S 60 P bei einem Tresor?

Geprüft nach EN 1047-1, 60 Minuten Prüfdauer, Grenzwerte für Papier. Die Innentemperatur muss dabei unter 170 Grad bleiben. Das P steht für Papier, für Datenträger brauchst du DIS.

### Was ist der Unterschied zwischen LFS und S?

LFS nach EN 15659 ist der leichte Feuerschutz. S nach EN 1047-1 ist die strengere Prüfung und schließt einen Sturztest ein: der Schrank wird aus mehreren Metern fallen gelassen und danach weiter beheizt.

### Reichen 30 Minuten Feuerschutz aus?

Für Urkunden und Verträge in einem Haushalt oft ja, weil die Feuerwehr in bewohnten Gebieten meist deutlich schneller vor Ort ist. Für Datenträger reicht keine P-Klasse, egal wie lang die Prüfdauer war.

### Warum ist die Klasse für Datenträger so viel strenger?

Weil Speichermedien schon bei etwa 50 Grad Schaden nehmen, während Papier erst ab rund 170 Grad verkohlt. Zusätzlich wird bei DIS die Luftfeuchtigkeit im Inneren begrenzt, denn Kondensation zerstört Elektronik.

### Bedeutet feuerfest auch einbruchsicher?

Nein. Das sind zwei getrennte Normenwelten: Feuer nach EN 1047-1 oder EN 15659, Einbruch nach EN 1143-1 oder EN 14450. Ein Gerät, das beides kann, trägt beide Angaben auf dem Typenschild.
